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Ein Ladekai des Erzwerks in Kirkenes.

 

 

Steil fällt die Küste bei Pummanki zum Eismeer ab.

Der Wasserfall Menikkakoski im Patsjoki. 

Inari - eine Lapplandfahrt, 3. Teil

Kapitel: Zur Eismeerküste

Blick auf das Eismeer bei Pummanki.

Zur Eismeerküste

Lappenbeschreibung

Biging setzt seine Reise über Land gen Norden weiter fort. Nicht gerade zimperlich beschreibt er eine Samendame:

"Es ist eine recht schmutzige Lappenhütte, es riecht darin nach einer Mischung von saurer Milch, Hühnermist und ungewaschenen Füßen. Ein krummes altes Lappenweib ist im Zimmer, sie sieht aus wie die Hexe aus "Hänsel und Gretel", sie gehört sicherlich zu den Leuten, die bloß zweimal in ihrem Erdenwallen gewaschen werden: das erstemal von der Hebamme, das zweitemal von der Leichenfrau. Aber damit übertreibe ich sicher, so oft kommt diese alte Dame bestimmt nicht mit Waschwasser in Berührung. Trotzdem ist sie eine nette Frau." (S. 87)

Erzwerk und Streik

Über Neiden kommt er nach Kirkenes. Dort streikt schon seit einem Vierteljahr die Belegschaft des Erzwerkes, dem Hauptarbeitgeber der Region:

"Die einzigen Leute, die hier wirklich arbeiten sind die Arbeiter des Erzwerkes (...) Man kann leicht ausrechnen, wie viele Leute nichts tun, denn der Ort zählt 3000 Einwohner, von denen in Zeiten guter Konjunktur höchstens 1000 bis 1200 für das Werk tätig sein können; in Wirklichkeit ist diese Ziffer wohl noch nie erreicht worden." (S. 119)

Die Arbeiter wollen einen Tarifvertrag, die Arbeitgeber lehnen dies aus Rentabilitätsgründen ab. Durch die soziale Gesetzgebung in Norwegen haben die Arbeiter einen langen Atem, auch geht es in der Stadt ruhig zu.

Nach 1945 herrscht dann in Europa eine große Nachfrage nach Eisenerz, Kirkenes wird zum Boomtown - die Erzgruben von Bjørnevatn bescheren der Stadt bis in die achtziger Jahre goldene Zeiten. Doch es kommt zur Rezession, die Belegschaft der Sydvaranger AS sinkt von 1.200 auf 300 Beschäftigte. 1996 werden die Gruben still gelegt.

Im August 1997 erlebt Kirkenes noch einmal eine volle Stadt, alle Gästebetten sind belegt. Aber es sind die Geier, die sich um das Aas streiten: Der komplette Maschinenpark der Erzgruben wird versteigert, aus der ganzen Welt kommen die Bieter. Aktuell (2003) geht das Gerücht, ob die Gruben übernommen werden. Es bleibt spannend in der Region.

Gefährliches Spucken

Kritisch betrachtet der Mediziner Biging die Gesundheitsverhältnisse in Kirkenes:

"Es herrscht viel Rheumatismus, und seit der Industrialisierung der Gegend haben auch Geschlechtskrankheiten stärkere Verbreitung gefunden. Die Tuberkulose ist ein häufiger Gast. Namentlich werden die Lungen befallen, doch auch Knochenaffektionen sind keine Seltenheit. (...) sind die Hauptursachen Spucken auf den Fußboden und andere Unsauberkeiten, schlechte soziale Verhältnisse, Mangel an Aufklärung." (S. 122)

Reise auf die Fischerhalbinsel

Biging reist von Kirkenes weiter erneut nach Finnland ein. Jetzt ist er an der Eismeerküste am Petsamofjord. Petsamo (heute Petschenga) ist eine von Finnland verwaltete neutrale Zone und der einzige eisfreie Hafen. Im 2. Weltkrieg verliert Finnland das Gebiet im Norden an Russland.

Mit Skepsis sieht Biging die vom Menschen verursachten Schäden an der nordischen Natur:

"Selbst mit diesen kümmerlichen Vegetationsresten [Birkenwald] hat die Bevölkerung Raubbau betrieben und namentlich in der Nähe der Siedlungen alles weggehackt., was sie zum Brennen brauchen konnte. Da der Zuwachs der Birke sehr langsam geschieht und nicht mit der Abholzung Schritt halten konnte, ist die Fischerhalbinsel heute eine öde Fläche." (S. 127)

Bigings Visionen zu Petsamo werden sich später nicht erfüllen:

"Dieser eisfreie Hafen kann für Finnland noch einmal große Bedeutung bekommen. (...) Wenn Finnland erst so weit ist, die Eisenbahn von Rovaniemi bis ans Eismeer zu führen, und wenn der Handel aus Nordsibirien so weit ist, daß er eine regelmäßige Küstenschiffahrt verlohnt, dann kann Petsamo für den europäischen Handel eine wichtige Umschlagstelle werden. Der Ausbau der Eisenbahn würde die Schaffung eines Nordexpreß möglich machen, so daß man imstande wäre, die Strecke von Genua bis zum Eismeer in ununterbrochener Fahrt mit der Eisenbahn zurückzulegen." (S. 124) 

Kurz und knapp ist seine Beschreibung von der Insel Heinäsaaret:

"Sie ist ein großes flaches Eiland, nur wenige Hütten und ein Leuchtturm stehen drauf. Zur Brutzeit nisten hier ungeheure Mengen von Seevögeln. Am Strand liegt zur Zeit der Ebbe ein breiter Streifen von Tang bloß.  Es stinkt kannibalisch, und man muß beim Überschreiten dieser glitschigen sehr aufpassen, daß man nicht lang hinschlägt." (S. 127)

Bei Pummanki wandert und klettert Biging in der Gegend umher bis zu einem Punkt, den er "Höhe 263" nennt:

"Ist im Inneren von Lappland die vorherrschende Farbe des Himmels und der Erde in der Abendbeleuchtung goldiges Gelb, so wird hier an der Eismeerküste alles in rosenrote und violette Tinten getaucht. Weit erstreckt sich die leicht gewellte Hochebene. Tief unten schwingen die gebogenen Küstenlinien, im Nordwesten weitet sich die unabsehbare Fläche des Eismeeres." (S. 129)

Biging muss die Landschaft so intensiv beschreiben, denn er hat seinen Fotoapparat auf dem Schiff liegen gelassen und kann folglich keine Fotos machen. Von der Ehrlichkeit der Finnen ist er begeistert. In Rovaniemi muss er z. B. sein reichliches Gepäck am Bahnhof unbeaufsichtigt lassen. Bei seiner späteren Wiederkehr ist noch alles unversehrt da:

"Als Scherz erzählt man sich, man könne in Finnland seine Uhr auf der Chausee verlieren, und wenn man nach einem Jahr wieder vorbei käme, hinge sie aufgezogen am nächsten Baum." (S. 129)

Seinen Fotoapparat bekommt er am nächsten Tag wieder.

Lapplands Zauber

Mit der Christianisierung in Lappland verschwand der Zauber aus Lappland, der Urglaube musste dem Christentum weichen. Ukko Donnergott schmunzelt eigentlich nur darüber, er kennt ja seine Finnen. Trotzdem fängt er an, sich doch ein bisschen Sorgen zu machen. Biging zum Zauber:

"Heute wird nicht mehr gezaubert, nur manchmal ganz heimlich, damit der Pastor nichts davon erfährt. In jenen Zeiten waren die magischen Kräfte weit stärker, damals, als man noch das Opferholz an den heiligen Steinen aufrichtete, ein krummes Holz von der Gestalt eines Bootskiels, das 'Geisterboot'. Wenn der Götze ein lebendiges Opfer forderte, richtete man das Opferholz auf, band das Tier daran und schlug ihm nach einer langen feierlichen Rede mit der Axt den Schädel ein. Dann bestrich der Zauberer Holz und Stein mit dem Blut, kochte das Fleisch, schnitt es in Stücke, band es an Reiser und hing es ans Holz. Mächtige Männer waren diese Zauberer, gefürchtet überall, namentlich die Akkala-Lappen; zu ihnen veranstalteten sogar die christlichen finnischen Bauern Wallfahrten. Eine alte Rune warnte: 

Reise nimmer, mein Sohn,
Ohne Kenntnis des Zauberns,
Ohne Weisheitsbesitz,
Zu den Feuern der Nordsöhne,
Zu den Marken der Lappen,
Sonst verzaubert dich dort der Lappe!" (S.135)

Wasserfälle und Stromschnellen

Von Petsamo aus kommend reist Biging wieder südwärts. Dabei passiert er "zwei imposante Wasserfälle und Stromschnellen" (S. 137): Maitokoski und Menikkakoski: 

"Das Herumführen der Boote um die Wasserfälle läßt genügend Zeit, die donnernden Wunder zu betrachten. Namentlich die Menikkakoski imponieren durch ihre Höhe und Breite, ungeheure Wassermengen stürzen mit urweltlichem Brüllen über die hohen Felsen. Die vielgerühmten Schnellen von Imatra und Vallinkoski reichen nicht an dieses Schauspiel heran." (S. 138f)

Nach dieser Tour zur Eismeerküste in das Petsamogebiet kehrt Biging zum Kirchdorf Inari zurück. Er bereitet sein Faltboot für den Inari-See vor:

"(...) mein Zelt mit, Zucker, Dörrobst, Knäckebrot, Maggisuppen, Photomaterial, Schlafsack und Decke und einen Satz Reservewäsche." (S. 145)

An einem Montagmittag legt Biging vom Kirchdorf ab und steuert die Insel Hoikka Petäjäsaari an.

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Biging 4. Teil

 

 

Touristen an den stillgelegten Erzgruben.